Digital Urban Health Konferenz 2025

Am 16.9.2025 richtete die DHFR die zweite Digital Urban Health Konferenz im RuhrCongress Bochum aus. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, welche Bedarfe im Kontext von Digital Urban Health existieren und welche möglichen Lösungsansätze und Best Practices bereits Anwendung finden oder übertragbar sein können.

Mit über 100 angemeldeten Personen aus den Bereichen Versorgung, Wissenschaft, Verwaltung und Industrie war die Konferenz daher erneut ein starker Ort für Austausch und Vernetzung zu dem gemeinsamen Ziel, eine Verbesserung der sozialräumlichen Versorgung zu erreichen.

Den Auftakt setzte Juliane Düvel (Leitung Centre for electronic Public Health Research der Universität Bielefeld) mit einer Keynote zu „Antibiotikaresistenzen im Fokus von Digital Urban Health – wie Smart-City-Technologien neue Antworten geben können“. Daran anschließend diskutierten Justin Rautenberg (Co-Geschäftsführer WATgesund gGmbH, OptiMedis AG), Ronja Nolte (contec GmbH) und Prof. Dr. Sebastian Merkel (Ruhr-Universität Bochum) über Zugangsbarrieren, Versorgung und Daten als konkrete
Bedarfe im Kontext von Digital Urban Health. Anschließend vertieften drei Foren Best Practices und mögliche Lösungsansätze.

Zugangsbarrieren: Teilhabe in urbanen Räumen – neue Wege zur Gesundheit für alle

Sophie Schuller vom Bochumer Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin „Walk on Ruhr“ und Dr. Jörg Muschiol (netzfactor GmbH, Bochum) stellten das im Rahmen der Digital Health Factory durchgeführte Projekt einer virtuellen Akademie für Beratungs- und Fortbildungsangebote zur sexuellen Gesundheit vor.

Ronja Nolte (contec GmbH) skizzierte die Vision BlueSmartCare – ein Konzept für sozialräumliche Caring Communities, die für ein möglichst gesundes Altern im Wohnumfeld ein Ineinandergreifen von Prävention, Teilhabe, Gesundheitsversorgung und Pflege gewährleisten und hierfür digitale daten- und KI-basierte Assistenzsysteme vorsehen.

Prof. Dr. Carsten Keßler, Experte für Geoinformationssysteme und räumliche Datenanalyse an der Hochschule Bochum zeigte auf, wie der in Essen, Herne und im Kreis Recklinghausen beispielhaft für Kommunen entwickelte KomMonitor als sozialer „digitaler Zwilling“ für urbane Gesundheit genutzt werden kann. Diese Webanwendung ist frei verfügbar, um mit einem Indikatorensystem und aktuellen Geodaten und Statistiken Herausforderungen der Stadtentwicklung bedarfsgerecht zu beleuchten.

Daten: Datenbasierte Stadtgesundheit –Potenziale für Prävention und Planung

Prof. Dr. Heike Köckler vom gesundheitswissenschaftlichen Department der Hochschule Bochum stellte das schon seit längerer Zeit erfolgreich eingesetzte und nutzbare Konzept der Digitalen partizipativen Gesundheitsberichterstattung vor, das der sozialräumliche Ableitung community- bzw. zielgruppenspezifischer Angebote der kommunalen Gesundheitsförderung dient. Felix Hillebrand (Gesundheitsamt Ennepe-Ruhr-Kreis) gab praxisnahe Einblicke und Beispiele für ein effektives digital basiertes Prozessmanagement im öffentlichen Gesundheitsdienst und damit auch für eine gelingende Umsetzung des ÖGD-Paktes. Auf diesen Beispielen aufsetzend skizzierte Dino Hodzic vom Regionalverband Ruhr die mit der Koordinierungsstelle Digital Health Ruhr von RVR bzw. Kommunen und MedEcon Ruhr gemeinsam verfolgte Perspektive einer datenbasierten Gesundheitsförderung im Ruhrgebiet.

Versorgung: Urbane Gesundheitsversorgung – Chancen durch digitale Brücken

Unter dem Titel und Motto „eliPfad – zuhause, begleitet, selbstbestimmt“ wird mit Hilfe des Innovationsfonds und Beteiligung von Kliniken und IT-Unternehmen des Ruhrgebiets eine neue sektorenübergreifenden Versorgungsform entwickelt. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Smarte Assistenten für das Poststationäre Telemonitoring, den Nora Wisniowski (figus GmbH, Köln) vorstellte. Katja Bernhardt stellte hierzu das Gesundheitszentrum St. Vincenz (manchmal auch als „Stadtteilklinik“ bezeichnet) vor, das  im Essener Norden eine seit 2024 stattfindende wohnortnahe kurzzeitstationäre Versorgung mit einem Netzwerk medizinisch-sozialer Dienstleistungen (inkl. Flying Nurses und Patientenlots:innen) verbindet und hierzu auf eine digitale Unterstützungsstruktur zurückgreift.

Der Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter stellt bei chronischen Erkrankungen vielfach eine komplexe medizinisch-soziale Aufgabe dar. Prof. Dr. Jörg Wellmer (Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum) erläuterte dies anhand des im Aufbau befindlichen Transitionsnetzwerkes Epilepsie Ruhr (TEpiR), das auch als Prototyp der digitalen Vernetzung medizinischer und sozialer Akteure konzipiert ist.

Ausblick

In einer Abschlussrunde diskutierten Robert Hildebrandt (Gesundheitszentrum St. Vincenz), Dr. Armin Keivandarian (opta data Stiftung, Essen), Christian Zelsen (Gesundheitsamt Bochum), Juliane Düvel (Universität Bielefeld) sowie Berit Schoppen (MedEcon Ruhr) über Digital Urban Health als eine Thematik, die die Gesundheitsversorgung, die Stadtentwicklung und die Digital Health Industrie miteinander verbindet.

Die auf der Konferenz vorgestellten Lösungen und Perspektiven machten deutlich, wie digitale Lösungen die regionale und sozial räumliche Gesundheitsförderung und -versorgung unterstützen können. Umgekehrt gilt aber sicherlich auch: Viele digitale Lösungen können ihre Wirkung erst in dem Maße entfalten, wie sie in sozialräumliche (hier: urbane) Netzwerkstrukturen eingebettet sind. Genau darum geht es bei Digital Urban Health.

Hier noch ein paar Impressionen: